Die Hunde und ich

Manche Geschichten beginnen mit einem großen Plan. Meine begann mit einer Colliehündin.

Vor über 50 Jahren kam ich durch die Hündin meiner Eltern „auf den Hund“ – und dieser Hund hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Aus der anfänglichen Begeisterung wurde eine Leidenschaft, aus der Leidenschaft eine Lebensaufgabe und schließlich mein Beruf.

Schon früh wollte ich mehr verstehen: Was bewegt einen Hund? Warum verhält er sich so, wie er sich verhält? Was braucht er, um sich zu einem sicheren und ausgeglichenen Partner zu entwickeln?

So führte mich mein Weg vor über 40 Jahren zum Hundesport. Ich habe im Laufe der Jahre viele eigene und fremde Hunde ausgebildet und geführt – im IPO-Bereich ebenso wie im Rettungshundewesen. Dabei habe ich gelernt, dass jeder Hund seine ganz eigene Persönlichkeit mitbringt und dass erfolgreiche Ausbildung vor allem eines braucht: Verständnis, Geduld und Vertrauen.

1989 begann ich als VDH-Züchterin mit der Zucht Belgischer Schäferhunde. Bis heute durfte ich 26 erfolgreiche Würfe begleiten. Die Zucht hat mir eine ganz besondere Seite des Hundes nähergebracht: die Entwicklung vom kleinen Welpen zum erwachsenen Hund, die Bedeutung von Instinkt und Prägung und die vielen kleinen Dinge, die man nur wahrnimmt, wenn man wirklich hinschaut.

1991 machte ich schließlich mein Hobby zum Beruf und eröffnete meine Hundepension in Irmelshausen. Aus der Betreuung der Hunde entwickelte sich zunehmend auch die Ausbildung meiner Pensionsgäste. Bis heute ist es für mich eine wunderbare Aufgabe, Hunde ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten und dabei immer wieder neue Persönlichkeiten kennenzulernen.

Natürlich habe ich mich über all die Jahre auch fachlich weitergebildet und zahlreiche kynologische Seminare und Fortbildungen besucht. Besonders beeindruckt haben mich dabei unter anderem der bekannte deutsche Kynologe Eberhard Trumler und die Verhaltensforscherin Dr. Dorit Feddersen-Petersen.

Doch wenn ich heute zurückblicke, waren es nicht die Seminare und Bücher, aus denen ich am meisten gelernt habe.

Meine besten Lehrmeister waren meine eigenen Hunde.

Das tägliche Leben mit meinem Belgierrudel. Das Beobachten meiner Hündinnen bei der Aufzucht ihrer Welpen. Die vielen Stunden, in denen ich einfach nur zugesehen und versucht habe zu verstehen, was zwischen den Hunden passiert. Körpersprache, Instinkt, Kommunikation, Vertrauen – vieles davon lernt man nicht aus einem Buch. Man muss es erleben.

Und genau das fasziniert mich bis heute.

Denn obwohl ich seit mehr als fünf Jahrzehnten mit Hunden lebe und arbeite, bin ich überzeugt: Man ist niemals fertig mit dem Lernen. Jeder Hund ist anders. Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte mit. Und jeder kann uns etwas Neues zeigen, wenn wir bereit sind, genau hinzusehen.

Deshalb bleibe ich neugierig und offen für neue Erkenntnisse. Noch heute versuche ich ein- bis zweimal im Jahr Fortbildungen rund um das Thema Hund zu besuchen. Nicht, weil ich glaube, schon alles zu wissen – sondern gerade weil ich weiß, wie viel es noch zu entdecken gibt.

Hunde begleiten mich seit über 50 Jahren. Sie waren mein Hobby, meine Leidenschaft, mein Beruf und vor allem meine besten Lehrmeister.

Und ich bin gespannt, was sie mich noch alles lehren werden.

„Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig oder achtzig sein!“ Henry Ford I